OSTSEEBAD

RÜGENWALDER-

MÜNDE

Albert Mewes, Rügenwalde.
ca. 1920

 

Hafeneinfahrt

Das Ostseebad Rügenwaldermünde zeichnet sich besonders durch seine äusserst bevorzugte Lage, unmittelbar am Meeresstrand und zu beiden Seiten der Wipper und des Hafens gelegen, aus. Der Ort teilt sich dadurch in eine Ost- und eine Westseite, die durch eine über den Wipperfluss führende Portalbrücke verbunden sind.

Von den an den Hafenstrassen gelegenen Wohnungen geniesst der Bewohner einen herr­lichen Ausblick auf die See und den Hafen, der mit den ein- und auslaufenden Dampf- und Segel­schiffen, sowie den vormittags vom Flunderfang heimkehrenden Fischerbooten stets ein fesselndes und abwechselungsreiches Bild bietet. Auch von den entfernter am Park gelegenen Wohnungen ist in wenigen Minuten Strand und Hafen zu erreichen, eine Annehmlichkeit, die nicht jeder Badeort auf­zuweisen hat.

An der Ost- sowohl als auch an der Westseite schliessen sich unmittelbar an den Ort schöne Parkanlagen an, die an der Westseite in einen herrlichen Laub- und Nadelwald übergehen, der sich bis zum nächsten Dorf Suckow hinzieht. Park und Wald mit ihren Ruhebänken und Wetterschutz­hütten bieten den Kurgästen angenehmen und geschützten Aufenthalt bei stürmischen Seewinden.

Zu Spaziergängen und Beobachtungen des am Meer so wunderbaren Sonnenunterganges laden die 500 Meter in die See gebauten und mit Ruhebänken versehenen Molen ein, die ein beliebter Treffpunkt der Badegesellschaft am Abend sind.

Der Strand ist breit und feinsandig und bietet hinreichend Raum zum Aufstellen von Strand­körben, zum Bauen von Sandburgen und Spielen der Kinder.

Die Luft ist, da meistens Seewinde wehen, rein und staubfrei. Die Temperatur sehr gleich­mässig und selbst an den heissesten Sommertagen angenehm und erfrischend. Niederschläge be­deutend weniger wie im Binnenlande und Gebirge. Sehr selten Gewitter. Keine Mückenplage.

Die Heilwirkung der ozonhaltigen Seeluft und der Seebäder dürfte bekannt sein.

Besonders hervorzuheben wäre der hier an der freien, offenen Küste ausserordentlich kräftige Wellenschlag, dessen Einwirkung auf den Badenden bekanntlich von grösster Heilkraft ist.

Badestrand

Der Aufenthalt ist zu empfehlen für alle Er­krankungen der Luftwege, Asthma, chronische Katarrhe und dergl.; ferner Rheumatikern, Nerven­leidenden, skrofulösen und rhachitischen Kindern, sowie Erholungsbedürftigen jeden Alters.

Die Kaltbadeanstalten sind geöffnet vom 15. Juni bis 15. September. Die Warmbade­anstalten vom 15. Mai bis 15. Oktober.

Da der Herbst meistens an der See schöne, sonnige Tage bringt, ist ein Aufenthalt zu dieser Zeit sehr zu empfehlen für Nachkuren und be­sonders der Ruhe bedürftige Kurgäste. Die Preise sind dann erheblich billiger.

Die Beliebtheit des Ostseebades Rügenwaldermünde beweist die mit jedem Jahre steigende Besuchsziffer. Frequenz 1910: 1320 Personen.

Schon seit vielen Jahren sendet die Ferien­kolonie Charlottenburg in drei Abteilungen 120 Kinder zur Erholung hierher, ein Beweis für die vorzüglichen klimatischen Verhältnisse des Ortes.

Die beiden Seebadeanstalten (Herren- und Damenbad) mit je 24 Zellen liegen am Weststrand und haben schönen, steinfreien Badegrund.

 

Die Preise für Kaltbäder sind:

Im Herrenbad:
1 Dtzd. Karten   2,50 Mk.
1 Dtzd. Kinderkarten   1,25 Mk.
1 Einzelbad   0,30 Mk.
 
Im Damenbad:
1 Dtzd. Karten   2,20 Mk.
1 Dtzd. Kinderkarten   1,10 Mk.
1 Einzelbad für Erwachsene   0,25 Mk.
1 Einzelbad für Kinder   0,15 Mk.

Badestunden von 8 - 12 Uhr vormittags und 2 - 7 Uhr nachmittags.

In den Warmbadeanstalten des ,,Friedrichsbades” und des ,,Strandschlosses” werden zu jeder Tageszeit warme See-, Sool- und alle medizinischen Bäder verabreicht. Preis eines warmen Seebades 75 Pfg., 1/2 Dtzd.-Karten 3,60 Mk.

Den Kurgästen stehen schöne Wohnungen, fast alle mit Zelt oder Laube, zu sehr billigen Preisen zur Verfügung. Die neuerbauten Villen haben Glasveranden und Balkons.

Mit wenigen Ausnahmen haben fast sämtliche Häuser seit dem vorigen Jahre Gasanschluss, so dass die Kurgäste die Annehmlichkeit des Kochens auf Gas haben (siehe Wohnungsnachweis).

Eingang zum Friedrichsbad

Wer sich nicht selbst beköstigen will, findet in den beiden sehr schön gelegenen Hotels ,,Friedrichsbad” und ,,Strandschloss”, sowie in einigen Privatpensionen vorzügliche Verpflegung. Zimmer in den Hotels sind mit voller Pension von 25 Mark an pro Person und Woche zu haben.

Die Kurtaxe beträgt für die Saison für die einzelne Person 3 Mk., Familien 6 Mk. Aerzte sind frei von Kurtaxe. Der Aufenthalt für Passanten bis zu 3 Tagen ist frei.

Mit Berlin hat Rügenwalde täglich zweimal D-Zugverbindung, Fahrzeit 7 Stunden, ausserdem durch zwei Personenzüge. Gute Verbindung ist auch von Breslau und Posen über Stargard mit Anschluss an die D-Züge.

Anfang Juli, zu Beginn der Ferien, geht ein Sommerferienzug von Berlin Stettiner Bahnhof direkt bis Rügenwalde ohne Umsteigen in Schlawe. Hierzu werden Fahrkarten mit Preisermässigung für Hin- und Rückfahrt ausgegeben. Gültigkeits­dauer 45 Tage. Rückfahrt an jedem beliebigen Tage und mit jedem Zuge gestattet. Auch zu den Sonderzügen nach der Ostsee am 15. Juli und 15. August werden derartige Fahrkarten nach Rügenwalde mit Anschluss an die fahrplan-mässigen Züge ausgegeben.

Für die Beförderung der Kurgäste vom Bahn­hof Rügenwalde nach Rügenwaldermünde (Fahrtdauer 15 Minuten) stellt der Fuhrherr Gomoll Omnibus und Fuhrwerk zu jedem Zuge, ausser­dem ist stündliche Dampferverbindung zwischen beiden Orten mit Anschluss an die ankommenden und abgehenden Züge. Die kursierende Personenpost befördert ebenfalls Reisende und Gepäck von und nach dem Bahnhofe.

Der Spediteur J. F. Prochnow in Rügenwalde übernimmt die Spedition von Gepäckstücken gegen ein Entgelt von 20 Pfg. pro Kolli Handgepäck, von 50 Pfg. für jedes grössere Kolli, wie Reisekorb, Koffer, Bettsack etc. Rücktransporte sind vorher bei Herrn Pastewsky - Münde anzumelden.

Drei Materialwarengeschäfte mit Restaurants etc. und hübschen Gärten sind am Hafen gelegen. Mehrere Bäcker und Fleischer liefern stets frische, gute Ware. Gute Milch (Liter 14 Pfg.) und vor­zügliche Butter täglich frisch aus der Genossenschaftsmolkerei zu haben. Gutes Trinkwasser liefern ausser dem bereits vorhandenen zwei neue in der Bad- und Langenstrasse erbohrte Tiefbrunnen.

Westmole mit Badeleben

Auf dem Beyer‘schen Grundstück befindet sich eine Quelle, die durch chemische Untersuchung als mit dem weltberühmten Mineralwasser zu Niederselters übereinstimmend befunden worden ist und den Kurgästen für billigen Preis ein angenehmes Tafelgetränk bietet.

Rügenwaldermünde hat eine Postagentur mit öffentlicher Fernsprechstelle und viermal täglich Postverbindung. Mehrere Aerzte sowie Masseure können jeden Augenblick aus Rügenwalde herbeigerufen werden. Friseur und Heilgehülfe am Orte selbst; ebenfalls ist eine Niederlage der Apotheke von Rügenwalde am Orte vorhanden.

Segelregatta

In dem unmittelbar hinter dem Herrenbade gelegenen Teil des Waldes ist eine Wald-Villenkolonie im Entstehen. Bauplätze, inmitten des Waldes und im Schutze der Dünen wunderschön gelegen, sind zum Preise von 30 Pfg. pro Quadratmeter verkäuflich. Auskunft erteilt der Magistrat zu Rügenwalde und die Badedirektion.

Im Monat Juli findet alljährlich eine Segelregatta des Deutschen Flottenvereins, Ortsgruppe Rügenwaldermünde, statt.

Zur Unterhaltung der Kurgäste veranstaltet Ausflüge die Badedirektion Konzerte, Reunions, Feuerwerk, Italienische Nacht, Kinderfest, Korsofahrten und Dampferfahrten in See und nach den nächsten Hafenorten. Lawn-Tennis- und Kinderspielplatz sind vorhanden. Für Segel- und Ruderpartien sind Segel- und Motorboote zu mässigen Preisen stets zu haben. Gelegenheit zum Angeln bietet sich ebenfalls gegen massige Entschädigung. Ausflüge können unternommen werden nach Rügenwalde und dem nahe gelegenen Stadtwalde, sowie in die weitere, zum Teil mit ausgedehnten Laub- und Nadelwäldern bestandene Umgegend.

Die Stadt Rügenwalde besitzt in der St. Marienkirche, sowie in der St. Gertrudkirche und dem alten Schloss der pommerschen Herzöge hervorragende altertümliche Bau- und Kunst-Denk­mäler. In der St. Marienkirche ist besonders sehenswert das berühmte kostbare Silber-Altar­bild sowie die Fürstengruft mit den Sarkophagen des König Erich von Schweden (t 1460), der Herzoginnen Elisabeth (t 1637) und Hedwig von Pommern (t 1622).

Interessant sind Fahrten über Land per Wagen oder mittels Motorboot über See nach Jershöft und Besichtigung des dort befindlichen, mit elek­trischem Licht von 50 Millionen Normalkerzen­stärke versehenen Leuchtturmes und der hydrau­lischen Nebelsignalstation.

Fusspartien kann man nach dem ca. 2 Stunden entfernten Neuwasser durch den Wald oder am Strande entlang machen.

Ein schöner Spaziergang ist auch nach dem ca. 1 Stunde entfernten, hoch auf dem Darlow­berge gelegenen Dorfe Zizow, von wo man einen wundervollen Rundblick auf das Meer und die umliegenden Dörfer hat. Über das am Fuss des Berges malerisch am Vitter See sich hinstreckende Dorf Kopahn wandert man zurück am Strande oder hinter den Dünen.

Viel Vergnügen macht auch eine Bootfahrt auf dem Wipperfluss nach dem ca. 2 km ent­fernten Binnenhafen, um die dort liegenden Schiffe und das Entlöschen und Beladen derselben zu beobachten und Einkehr in das dort befindliche Gasthaus ,,Zum goldenen Anker” (wilden Kater) zu halten.

Photographien des Ostseebades Rügenwaldermünde sind zu finden in den ständigen Ostseebäder-Ausstellungen:

in Berlin, im Kaufhaus des Westens (Erdgeschoss),

in München, im Kaufhaus Oberpollinger (in der Verkehrsabteilung),

in Leipzig, im Kaufhaus Aug. Pohlich (in der Verkehrsabteilung),

in Dresden, im Kaufhaus Herzfeld (Erfrischungsraum).

 

Nähere Auskunft, auch über Vermieten von Wohnungen, erteilt bereitwilligst

die Badedirektion Rügenwaldermiinde.

 

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