Die Jahre 1900 bis 1948

1900 - Das immer noch geltende "Lübische Recht" erlosch.
  - Die Gasanstalt und der Schlachthof wurden in Rügenwalde erbaut.
1901   Im Siechenhaus wurde ein Teil der Rügenwalder Bürgerschule untergebracht.
1903   In der Volksschule wurde versuchsweise eine Hilfsschule eingerichtet.
1904   Am 5. April 1904 wurde eine Molkerei in Rügenwalde eröffnet.
1906 - Die Marienkirche erhielt eine neue Turmuhr.
  - Im Winter 1906 brannte ein Teil der oberen Langenstraße in Rügenwalde ab.
1908   Zwischen Karwitzer und Bismarkstraße in Rügenwalde wurde das Bismark-Denkmal errichtet.
1909   Der erste mit einem Motor ausgerüstete Fischkutter wurde in Rügenwaldermünde in Betrieb genommen.
1911   Am 1. Oktober 1911 wurde in Rügenwalde der obere Teil der Erbstraße durch einen Großbrand zerstört.
1912 - Wurde die Sechshundertjahr-Feier der Stadtgründung von Rügenwalde festlich begangen.
  - Wurde die Gertrudenkirche grundlegend renoviert.
1913 - Wurde die landwirtschaftliche Haushaltungsschule am Kopfberg gebaut und eröffnet.
   

Die Haushaltungsschule am Kopfberg
  - Am 1. April 1913 wurde die Bürgerschule Rügenwaldes zu einer Mittelschule erhoben.
1914 - Am 1. Januar 1914 zerstörte eine Sturmflut einen Teil der Schutzanlagen am Oststrand Rügenwaldermündes.
Bei Damkerort erfolgte ein Durchbruch der Ostsee zum Bukower See.
  - Der erste Weltkrieg begann am 28.7.1914 durch die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien.
  - 1.8.1914 Kriegserklärung des Deutschen Reichs an Frankreich. Für Deutschland begann damit der 1. Weltkrieg.
1917   An der Marienkirche wurden die Bugenhagen- und Barnimeiche gepflanzt.
1918   Der erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich am 11.11.1918. 12)
    Im ersten Weltkrieg ließen 289 Bürger der Stadt Rügenwalde an der Front ihr Leben.
1919   Die Stadt gab eigenes Notgeld heraus.

Notgeld der Stadt
1920   Der Hemptenmacherbrunnen wurde der Öffentlichkeit übergeben.
   

Der Hemptenmacher-Brunnen
  - Gab es in Rügenwaldermünde ein Herren- und ein Damenbad am Weststrand.
   

Damen- und Herrenbadeanstalt
  - Wurde eine Fischverwertungsgesellschaft in Rügenwaldermünde gegründet.
1921   Wurde die Kopfberg-Siedlung angelegt.
1922 - Wurde eine Winterschule im alten Rentenamt von Rügenwalde eingerichtet.
  - Die Marienkirche erhielt neue Glocken. Sie wurden am 18. April 1922 geweiht.
  - Die Silvestersturmflut brach in Damkerort auf 1000 Meter durch.
  - Auf dem Kopfberg wurde am 4. Juni 1922 das Kriegerdenkmal für die Gefallenen vom ersten Weltkrieg (1914-1918) errichtet und der Öffentlichkeit übergeben.
1923   Das Kreisheimatmuseum von Rügenwalde wurde in der Bogislawstraße eröffnet.
1924 - In Rügenwalde war erstmals Rundfunk-Empfang möglich.
  - Die Post stellte die Überlandverbindung von Postkutschen auf Kraftwagen um.
1927 - Die Beelkower Landstraße wurde ausgebaut.
  - Der Lotsenturm in Rügenwaldermünde wurde erhöht und mit einem Leuchtfeuer ausgerüstet.
   

Lotsenturm mit Leuchtfeuer
1928   Das Kriegerdenkmal von 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) auf dem Denkmalsplatz wurde umgestaltet.
1928 - Die Krankenhaus-Brücke über die Oberwipper wurde bis 1929 als Betonbrücke neu erbaut.
  - Die Hanseschule wurde im Rügenwalder Stadtpark erbaut.

Die Hanseschule
1929 - Das Herzogschloß wurde vom Kreis übernommen und nach einer Renovierung nahm es das Kreis-Heimatmuseum auf. Leiter wurde Karl Rosenow.
  - Die gesamte Schleusenanlage der Wipper in Rügenwalde wurde grundlegend erneuert.
   

Die Wipper mit Schleusenanlage
  - Auf dem Wipper-Wall wurde ein Steigeturm der Feuerwehr errichtet.
1929   Die Wipper wurde bis 1933 zwischen Schlawe und Rügenwalde reguliert.
1930 - Zwischen den Dörfern Sellen und Sackshöhe wurde eine Beton-Brücke über die Wipper gebaut.
  - Am Treidelsteig am Schnurbüddelshof von Rügenwaldermünde wurde ein Kutterhafen angelegt.
  - Das Heimat-Museum wurde aus der Bogislawstraße in das Herzog-Schloß verlegt.
  - Anlage eines neuen Fischereihafens an der Münder Chaussee.
1932   Endlich hatte Rügenwalde eine zentrale Wasserversorgung.
    Die Brunnen befanden sich am Grupenhager Weg und der Wasserturm auf dem Kopfberg.
1933 - Seit 600 Jahren bestand in der Stadt eine Schule.
  - Machtübernahme "Adolf Hitlers".
1934 - In der Waldstraße wurde die Gauwebe-Schule eingerichtet.
  - Durch Umbau wurde aus dem Sudhaus am Langen Wall von Rügenwalde ein Wohnhaus.
1935 - Wurde in Rügenwalde zwischen der Hindenburg- und Bismarkstraße im Zuge eines Arbeitsbeschaffungs-Programms der Rosengarten angelegt.
  - Zwischen Wipper und der Münder Chaussee wurde von der RAD-Abtlg. 6/41 der Saarweiher mit einem Park angelegt.
  - Fand die erste große Ausstellung im Schloß von Rügenwalde statt.
  - Wurde die Genossenschaft "Ostsee" der Räucherer von Rügenwaldermünde gegründet.
1936 - Wurde das Dünen-Kaffee am Weststrand von Rügenwaldermünde gebaut (Hohe Höft).
  - Am 26. und 27. März 1936 überflogen die Luftschiffe "Hindenburg" und Graf Zeppelin" die Stadt.
  - Am 1. Februar 1936 vereinigten sich die Schlawer Grenzzeitung" und Rügenwalder Zeitung".
  - Am 10. Januar 1936 trat in Rügenwalde eine neue Stadt-Verfassung mit 4 Beigeordneten und 10 Ratsherren in Kraft.
  - Rügenwaldermünde wurde eingemeindet und hieß ab dann Rügenwalde-Bad, postalisch Rügenwalde 2.

Das Dünen-Kaffee
1936   Die Kuh-Wipper wurde bis 1937 reguliert und der Denkmalsplatz erweitert.
1937   Am Treidelsteig in Rügenwalde-Bad, beim Schnurbüddelshof, wurde die Fischmehlfabrik errichtet.
1938   In Rügenwalde-Bad gab es 45 Kutter und 159 Fischer.
   

Luftbildaufnahme von Rügenwalde von 1939
1939 - Der zweite Weltkrieg begann.
  - Am 1. September 1939 begann der Polenfeldzug des Deutschen Reichs.
  - Die Stadt Rügenwalde gehört zum erklärten Operationsgebiet.
  - Lebensmittelkarten und Bezugsscheine wurden ausgegeben.
  - Im Stadthafen wurden bis 1941 zwei Groß-Silos für Getreide erbaut.
1942   In Rügenwalde-Bad wurde eine Werft für Beton-Schiffe errichtet.
1943 - Lief unter größter Geheimhaltung das erste große Beton-Schiff in Rügenwalde-Bad vom Stapel.
  - Am 19. März besuchte Adolf Hitler den Schieß- und Versuchsplatz.
  - Ende Juli wurden Schüler einer Volksschule aus Bochum und die gesamte Knaben- und Mädchen-Mittelschule II, mitsamt dem Lehrerkollegium, aus Hagen im Rahmen der KLV-Kinderlandverschickung nach Rügenwalde eingewiesen. 15)
  - Wurde eine englische Aufklärungs-Maschine am Weststrand durch einen Scheinwerfer zum Absturz gebracht (7 Tote und ein verletzter Engländer).
  - Am 19. Februar brannte das Dorf Sellen teilweise ab.
  - Am 1. Dezember wurde im Herzogenschloß ein Mehlpflichtlager mit 3000 dz eingerichtet.
1944 - Die Hanseschule wurde im Oktober Hilfslarzarett.
  - Am 2. August wurden die arbeitsfähigen Bürger der Stadt zum Bau des Pommern-Walles verpflichtet und nach See-Buckow in Marsch gesetzt.
  - Ab 1. September mußten Räume des Schloßes für verlagertes Heeresgut aus dem Osten zur Verfügung gestellt werden.
  - In der Gauwebe-Schule wurde eine Krankenstation für die Arbeiter des Pommern-Walls eingerichtet.
  - Auf dem Kopfberg wurde ein Befehlsbunker, auf dem Turnwall und dem Wipperwall Luftschutzgräben und am Bahnhof ein Löschteich gebaut.
  - Im Dezember trafen die ersten ostpreussischen Flüchtlinge ein.
  - Im Dezember wurde in den Räumen der Volksschule ein Altenheim für Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen eingerichtet.
1945 - Vom 15. Januar bis 10. Mai wurden aus Rügenwaldermünde 5556 Bürger durch die deutsche Marine evakuiert.
  - Am 21. Januar traf der geheime Packbefehl in Rügenwalde ein.
  - Ab Anfang Februar verließen laufend kleinere und größere Schiffe mit Flüchtlingen den Hafen.
  - Am 2. März wurde der Auflockerungsbefehl in der Stadt verkündet.
  - Am 4. März erschienen die ersten russischen Truppen vor der Stadt.
  - Am 6. März verließen als letztes die Schiffe "Zenith" und "Regulus" den Hafen von Rügenwalde-Bad. An Bord der Zenith waren vorwiegend die Bochumer Schüler und an Bord der Regulus u. a. alle Hagener Schüler.15)
  - Am 7. März 1945 wurde die Stadt in den frühen Morgenstunden von den Sovjets besetzt. 15)
  - Der Schlosser Leopold wurde am 7. März von den Sovjets als Bürgermeister befohlen
  - Am 23. März 1945 wurde die erste Räumung der Stadt nach Soltikow befohlen, um die Wohnungen ungestört plündern zu können. Auf dem Marsch nach Soltikow kamen ca. 40 Rügenwalder Bürger ums Leben.
  - Am 7. Mai 1945 (Westfront) und 9. Mai 1945 (Ostfront) kapitulierte das Deutsche Reich.
Für Deutschland war der zweite Weltkrieg beendet 13).
  - Am 25. Juli 1945 übernahm der Pole Doulewicz als Bürgermeister die Stadt Darlowo. Er war während des Krieges bei Gärtner Liegnitz beschäftigt.
  - Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 wurde, vorbehaltlich der Regelung durch einen Friedensvertrag, das nördliche Ostpreußen unter sowjetische und das südliche Ostpreußen, fast ganz Schlesien, Pommern und Brandenburg östlich der Oder polnische Verwaltung gegeben. In einem zusätzlichen Vertrag vom 5.10.1945 wurde ein Gebietsstreifen westlich von Stettin Polen überantwortet. In dieser Ausdehnung umfassten die deutschen Ostgebiete 114 296 Quadratkilometer mit (1939) 9,56 Millionen Einwohnern, davon 13 205 Quadratkilometer mit (1939) 1,19 Millionen Einwohnern unter sowjetischer und 101 091 Quadratkilometer mit (1939) 8,37 Millionen Einwohnern unter polnischer Verwaltung.
  - In den historischen Darstellungen Darlowos wird zwar der 7. März 1945 als als Gründungstag feierlich begangen, doch ist wohl der 2. August 1945 als der Tag zu benennen, an dem die deutsche Stadt Rügenwalde aufgehört hat zu existieren.
Die Vertreibung der deutschen Einwohner begann bereits im September. Die Polen nannten die Stadt Darlowo.

Deutschland in den Grenzen von 1945


  - Am 27. September 1945 wurden die deutschen Kriegerdenkmale von 1813 (Befreiungskriege 14)), 1870/71 (Deutsch-Französische Krieg) und 1914/18 (1. Weltkrieg) gesprengt.
  - Die ersten Ausweisungen erfolgten am 17. Oktober und am 6. November 1945.
  - Am 15. Dezember 1945 erfolgte die dritte Evakuierung auf die umliegenden Dörfer.
1946 - Die Hanseschule wurde am 9. April 1946 polnisches Gymnasium.
  - Am 12. Mai 1946 wurde die Marienkirche durch einen polnischen Bischof katholisch geweiht.
  - Am 13. Mai 1946 wurden 40 Rügenwalder wegen angeblicher Mitgliedschaft zur NSDAP verhaftet und in die Keller der STAPO eingeliefert.
  - Am 17. August 1946 wurden 110 Deutsche ausgewiesen.
  - Am 14. Dezember 1946 erfolgte die Ausweisung von 150 Deutschen.
  - Am 26. Dezember 1946 die erste große Ausweisung.
1947 - Am 3. Juli 1947 die erste Massenausweisung von 1000 Rügenwalder.
  - Am 6. Juli 1947 wurden weitere 600 Rügenwalder ausgewiesen.
  - Am 23. Juli 1947 erfolgte eine weitere Massen-Ausweisung.
  - Am 25. Juli 1947 erfolgte die Ausweisung von Alten und Kranken unter Betreuung von Dr. Krüger und Schwester Leni von Unruh.
1948 - Am 9. Januar 1948 wurde der Hafenbetrieb wieder eröffnet.
  - Am 25. März 1948 erfolgte der letzte größere Ausweisungs-Transport.
  - Am 6. Oktober 1948 wurden 200 Deutsche im Rahmen von russischen Truppenverlegungen nach Liegnitz in Schlesien umgesiedelt".
  - Am 6. Oktober 1948 befanden sich nur noch wenige Deutsche in der Stadt Darlowo.


- Hier endet die Geschichte der deutschen Stadt Rügenwalde -


12) Deutschland hatte ca. 5 Millionen tote Soldaten zu beklagen und 3,8 Millionen Zivilisten kamen ums Leben.
13) Deutschland hatte 1,8 Mill. Gefallene zu beklagen, 4,2 Mill. Verwundete und 600 000 Gefangene. Dem Nahrungsmangel, infolge der Blockade, fielen in Deutschland. ca. 750 000 Menschen zum Opfer.
14) Befreiungskriege, 1813 bis 1815 die Erhebung der europäischen Völker gegen Napoleon I., nachdem dessen „Große Armee“ 1812 in Rußland untergegangen war.
15) Angaben zur Westevakuierung Westdeutscher Schulen aus Bochum und Hagen von Herbert Weber, Iserlohn.